Eintrag: 7.11.14

Gestern Morgen lag in Wackersberg schon Schnee. Schnee gehört auch dazu. Natürlich kann man sich dagegen wehren und sagen: Muß das jetzt schon sein! Der Sommer wäre mir im Moment echt lieber. Aber es hilft nichts. Besser nimmt man ihn freudig an, den Schnee und den Winter, genießt die kalte Luft, das Gefühl von schmelzendem Schnee auf der Haut, die Kerze auf dem Tisch schon am Nachmittag. Die Jahreszeiten gehören zur Einheit dazu. Niemand wird das im Ernst bestreiten. Warum die Fliegen, die mich in der Küche, in der ich gerade schreibe, umschwirren und belästigen, auch dazugehören, weiß ich echt nicht. Wie sind die überhaupt hier rein gekommen, die waren doch gestern noch nicht da. Sonderbar, seit ich über sie schreibe, lassen sie mich in Ruhe. Sie beschäftigen sich miteinander, noch dazu auf meinem Laptop. Also alles was recht ist! Die Themen, auf die sich das Prinzip der Einheit anwenden ließe, auf die man es anwenden müßte, purzeln geradezu vor meine Füße oder in diesem Fall vor meine Augen. Aber alles der Reihe nach. Schließlich braucht so ein wichtiges Thema Struktur.

Wo waren wir? Ach ja, die Jahreszeiten. Im Grunde fällt es uns leicht – jetzt machen sie‘s auch noch auf dem Bildschirm, mit Hintergrundsbeleuchtung sozusagen, wer hat das erlaubt, wer ist da zuständig, wer ist hier eigentlich der Art-Direktor, ich laß sie mal machen – also, im Grunde fällt es uns bei den Jahrenzeiten leicht, sie letztendlich doch anzunehmen. Schließlich will keiner über lange Tage hinweg grießgrämig sein, bloß, weil es schneit. Die Fliegen sowieso nicht.

Aber bei anderen Dingen, die wir als Menschen beeinflußen können, sieht es anders aus. Gestern zum Beispiel hatte ich nach langer Zeit eine Massage. Sie wissen schon, ganzer Rücken, Nacken, Schultern und so weiter. Da wurde mir wieder mal bewußt, wie angespannt ich war. Die Fliegen verharren beieinander, wollen nicht voneinander lassen. Ich wußte gar nicht, daß Fliegen so lange … aber ich schweife ab. Also, angespannt war ich von der vielen Arbeit und dem immer gleichen Rumgehocke vor dem Laptop. Aha, dachte ich, die Entspannung habe ich ganz offensichtlich vernachlässigt. Der Masseur kämpfte sich mit dem Daumen zu einem Sehnenansatz unter meinem rechten Schulterblatt und murmelte etwas von Flügelansatz und daß wir alle Engel seien, eigentlich. Wenigsten verstehen Engel etwas vom Ausbreiten der Flügel und wissen, wie die Welt von etwas erhöhter Position aussieht – jetzt habe ich unter den beiden Fliegen hindurchgeschrieben. Es stört sie nicht im Mindesten. Zelebrieren die jetzt die Einheit oder was? Nein, auf das Thema will ich jetzt gar nicht eingehen, da wüßte ich wirklich nicht, wo dieser Blogeintrag noch hinführen sollte. Wo waren wir? Ach ja, bei der Entspannung. Also die Engel sehen es von dort der höheren Warte, daß die Entspannung genauso dazugehört wie die Anspannung. Sie haben doch gewiß von Einheit eine Ahnung, von früher her jedenfalls.

Jetzt mal wissenschaftlich gedacht! Anspannung und Entspannung, Yin und Yang, kalt und heiß – jetzt sind wir wieder beim Schnee – oben und unten gehören einfach zusammen. Alle Lebensvorgänge verlaufen in Wellen. Das würde allerdings bedeuten, dachte ich, während sich der Masseur meinen anderen lahmen Flügel vornahm, daß die Entspannung genau soviel Raum und Wichtigkeit bräuchte wie die Anspannung, der daily stress. Wenn man eine Welle anschaut, wird das jedem klar.

Bei mir sieht es im Moment nicht so gut aus. Gerade in der letzten Zeit, in der ich mich sozusagen hauptberuflich um die Werbung meines Romans „Das Herz des Schweigens“ kümmern mußte, hatte ich kaum Raum für Erholung. Das muß sich ändern, ganz klar, denn auch ich will das Prinzip der Einheit – die Fliegen rühren sich immer noch nicht – ernst nehmen. Also will ich diesen Teil der Einheit, der da Entspannung heißt, Achtung entgegenbringen. Also gut, du bist genau so wichtig wie dein Gegenteil, der Streß.

Mir wurde klar – der Masseur knetete gerade meinen Musculus sternocleidomastoideus – , daß ich die Rehabilitierung meiner Entspannung wohl höchstpersönlich organisieren muß, weil sie eben keine Jahreszeit ist, um die sich die Natur kümmert. Am besten ich mache die Entspannung zur Chefsache.

Doch so richtig geändert hat sich seit zwei Tagen nichts, auch heute nicht. E-Mails, Kommunikation, Büroarbeit, Sie kennen das ja. Aber jetzt nehme ich es mir vor. Sobald dieser Blogeintrag abgeschickt ist – die Fliegen sind Dauerbrenner, immer hin sind sie bis zum unteren Rand des Bildschirms runtergerutscht – ziehe ich mich warm an und und mache eine kleine Wanderung in die Waldherrenalm. Zwei Stunden hin und zurück, mit Einkehr natürlich, wir reden ja über Entspannung. Durch die Natur wandeln, den Wind spüren, das Rauschen in den Bäumen, Gedanken freien Lauf lassen, nur sein.

Bin gespannt, was ich erlebe, wen ich treffe, was mir in den Sinn kommt.

Die Fliegen fliegen wieder. Sie brauchen keinen Masseur.

Empfohlene Übung: Nehmen Sie sich Zeit und denken Sie darüber nach, wie Sie es gerade mit Spannung und Entspannung halten. Machen Sie einfach ein paar Minuten lang Bestandsaufnahme. Einfach schauen, wie es ist. Und bitte, geben Sie niemandem die Schuld an der Ist-Situation, nicht einmal sich selbst oder einem Umstand. Das sollte Ihnen jetzt nicht mehr schwerfallen. Sie haben ja die letzte Übung gemacht.

Einfach schauen, wie es ist. Dann fragen Sie sich, ob Sie wollen, daß es so bleibt, wie es ist, oder ob Sie sich wünschen, daß sich etwas verändert. Dann tun Sie, was dazu notwendig ist.

Übrigens: Die Erschöpfung gehört auch dazu. Sie möchte auch geachtet werden. Denn sie bringt etwas, z.B. eine Einsicht in die Wellenstruktur aller Lebensvorgänge. Sie ist mit Weisheit im Bunde.

1 Kommentar »

  1. Herrlich entspannend deine Worte, tut einfach nur gut . Ich geniesse momentan auch einfach, ich liebe den Duft der Luft , im Herbst ist er ganz anders als im Frühling Sommer oder Winter, ich werde täglich beschenkt mit Düften, manchmal duftet es im Wald nach Rosen , obwohl weit und breit keine zu sehen ist.Es freut mich sehr und ich danke dir , das du diesen Blog ins Leben gerufen hast. So nun freue ich mich auf mein Bett , schlaf auch du traumlos. Fühl dich umarmt und geliebt
    Barbara

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