English Version!                                        Newsletter bestellen!
Spanish Version!

Frieden gehört auch dazu.

Das bezweifelt niemand. Und doch sind wir seit Jahren im Krieg. Deutsche Soldaten sind an mehreren Orten im Ausland an kriegerischen Konflikten aktiv beteiligt, traumatisieren und werden traumatisiert, töten und werden getötet. Der Frieden in unserem Land ist brüchig geworden, der Krieg kommt als Terrorattacke zu uns zurück wie ein Bumerang. Das trifft im Moment auf viele Länder dieser Erde zu.

Frieden gehört auch dazu.

Lassen wir nicht zu, daß er aus unserer Mitte verschwindet und einer neuen Kriegszeit Platz macht.

Was können wir tun?

Die Systemaufstellung „Frieden und Krieg“, die ich gemeinsam mit Anngwyn St. Just Ph.D. (Spezialistin für soziales Trauma, USA) am 21. Mai 2016 im Rahmen des Workshops „Frauen, Männer und Frieden“ während des VIII. Kongresses für systemische Aufstellungsarbeit des Sowelu-Instituts in Mexiko-City geleitet hat, gibt auf diese Frage einige überraschende Antworten.

Die Frauen vertreiben den Frieden der Männer

Diese Aussage überrascht in einer männerdominierten, patriarchalen Welt und bestürzte viele der anwesenden Frauen. Eine Teilnehmerin formulierte es so:
„Ich fühlte einen tiefen Schmerz in meiner Seele. Es war sehr schmerzvoll, meine eigene Gewalttätigkeit zuzugeben, die Gewalttätigkeit, die viele Jahre vor meiner Existenz entstand, als prä-kolumbianische Amerikaner ihre Frauen und Kinder nicht beschützen konnten. Die Gewalttätigkeit, mit der Frauen Männer ausschließen mußten, um für sich selbst zu sorgen.“
Vielleicht ist das der Schlüssel zum Verständnis dieses Phänomens. Die Frauen in Mittelamerika mußten erleben, daß ihre Männer nicht in der Lage waren, sie in der vorkolumbianischen Zeit vor den wiederholten Überfällen der feindlichen Nachbarvölker und später vor der Eroberung und den Übergriffen der Spanier zu schützen. Viele der Männer verloren ihr Leben und die Überlebenden ihre Würde. Sie sanken in der Achtung der Frauen. Auf die Männer war kein Verlaß, sie starben in wiederkehrenden Kriegen und sterben noch heute in den Straßenkämpfen der Drogenkartelle.
Frauen, die über Generationen auf diese Weise traumatisiert wurden, können sich offenbar nicht mit vollem Herzen auf eine Beziehung zu einem Mann einlassen. Der Mann wird sowieso wieder in einen Krieg ziehen, den er nicht gewinnen kann, in dem er sein Leben lassen oder als gebrochenes, traumatisiertes Etwas zurückkehren wird, um sich von den Frauen versorgen zu lassen wie ein Kind. Die Frauen mußten die Starken sein. Auf die Stärke der Männer verließen sie sich nicht mehr.
Auf diese Weise in der Achtung der Frauen gesunken, konnten die Männer in der Vereinigung mit den Frauen keinen Frieden mehr finden. Die Wut der Frauen über die kollektiven Enttäuschungen der Vergangenheit steht einem friedvollem, erfüllenden Miteinander im Weg.

Das ist kein rein mittelamerikanisches, sondern ein weltweites Phänomen mit regional unterschiedlicher Ausprägung. Auch in Deutschland wäre es nicht verwunderlich, wenn die Traumatisierungen der letzten Weltkriege noch in die Beziehungen zwischen Frauen und Männern hineinspielen würden. Deutsche Frauen sind vielleicht nicht nur enttäuscht darüber, daß ihre Männer sie nicht vor dem Bombenhagel der Alliierten und von tausendfacher Vergewaltigung und tausendfachem Tod beschützen konnten, sondern auch darüber, daß ihre Männer dieses Leid über ihre Frauen und Kinder gebracht haben, indem sie genau dasselbe Leid vorher millionenfach über die Menschen unserer Nachbarländer ausgeschüttet haben.
Welche Achtung können Frauen vor Männern haben, die die Grundregeln des Menschseins vergessen und zu schwach sind, ihrem Gewissen zu folgen?

Berlin 1945Berlin 1945

Die Lösung

Da die Ursache des Problems in den Erfahrungen früherer Generationen liegt, steht es den heutigen Frauen frei, die Last der Mütter und Großmütter abzulegen und in ihrem Innern wieder Achtung gegenüber Männern einziehen zu lassen, egal was in der kollektiven Vergangenheit des eigenen Volkes vorgefallen sein mag. Dann können sie auf die Vorstellung verzichten, daß die Männer zu schwach seien für eine beglückende Beziehung auf Augenhöhe. Sie können darauf verzichten, Männer zu verführen, um sie danach zu dominieren. Mit dem Verzicht auf diese Art von Kraft- und Achtungsgefälle erhalten Frauen einen großen Gewinn, eine Beziehung nämlich auf Augenhöhe, eine wirkliche Begegnung, die beiden den erhofften Frieden im glücklichen Miteinander schenkt.

Auf der anderen Seite können sich Männer, die der Demütigung des geschlagenen Kriegers über Generationen ausgesetzt waren, ihres Wertes und ihrer Stärke bewußt werden und ihre innere Würde wieder erlangen. Erschwert wird das durch die zu starke Bindung der Männer an die Mütter, die ihre Söhne emotional zu sehr an sich banden, um einen Ausgleich zu schaffen für die tatsächliche oder emotionale Abwesenheit der Väter und Großväter.

Es ist die Aufgabe der Mütter, ihre eigene Würde trotz aller Enttäuschung zu finden und ihre Söhne aus dieser emotionalen Abhängigkeit zu entlassen. Die Söhne haben ihrerseits die Aufgabe, sich aus der zu großen Nähe der Mütter zu verabschieden, indem sie die Vorstellung aufgeben, sie könnten den Vater oder Großvater in irgendeiner Weise ersetzen.
Natürlich brauchen die Söhne dazu die Väter. Der Kontakt zu den Vätern ist in einem Feld der verlorenen Würde schwierig. Vielleicht hat ein mißachteter Mann seinen Sohn, der von der Mutter als Prinz emotional hoch gehoben wird, als möglichen Nebenbuhler empfunden und ihn seinerseits unterdrückt und abgewertet. Vielleicht blieb dem von seinem Vater auf diese Weise mißverstandenen Sohn nichts anderes übrig, als den Vater nach Mutters Vorbild ebenso abzuwerten, ihm die Würde abzusprechen und damit auch der eigenen männlichen Kraft die Achtung zu entziehen.

Es ist die Aufgabe der Väter, die eigene Würde im Inneren trotz der erfahrenen Demütigungen durch die verlorenen Kriege der Vergangenheit zu finden, dem Sohn die Unschuld des jugendlichen Prinzen zuzugestehen und in ihm die Würde des späteren, erwachsenen Mannes zu erkennen und zu achten. Die Aufgabe der Söhne ist es, sich mit dem würdevollen Kern des Vaters und der Vorväter zu verbinden und damit auch die eigene Würde und die Achtung vor sich selbst zu finden, egal welches Leben die Väter geführt und welche Fehler sie begangen haben mögen. Dieser Vorgang beinhaltet auch die Rückgabe von Lasten, die sich aus einer möglichen persönlichen Schuld der Väter und Vorväter aus Kriegszeiten ergeben.

Nach dieser Art von Beziehungsklärung mit Müttern und Vätern gelingt es den Männern, ihre erwachsene Kraft und ihre volle Würde zu erkennen. Sie werden sich dann nicht mehr von Frauen verführen lassen, die im alten Machtkampf der Geschlechter die Oberhand und die Kontrolle erlangen wollen, sondern sich von Frauen angezogen fühlen, denen die gegenseitige Achtung in der Beziehung wichtig ist, und die dazu auch fähig sind. Selbstverständlich gehört dazu auch die Achtung der Männer vor den Frauen und die Achtung vor dem Frieden, den die Frauen im Herzen bereithalten.

Frieden gehört auch dazu.

Die nächste Erkenntnis der Aufstellung war ebenfalls überraschend:

Frauen finden den Krieg attraktiv!

Als ich das in der Aufstellung sah, fiel mir ein, daß manche Frauen von Uniformen, Paraden und Marschmusik fasziniert sind. Ein mit den Insignien der Kraft und der Macht geschmückter, heldenhafter Krieger verfehlt seine Wirkung auf das weibliche Geschlecht sicher nicht. Verspricht doch der kraftvolle Krieger oder Soldat maximalen Schutz vor Feinden für Frauen und Kinder. Ein Mann, der Kinder beschützen kann, ist attraktiv. Es macht Sinn, mit ihm Kinder zu haben.

Krieger Atzeken
Azteken-Krieger

Diese Faszination des Kriegers und der Kriegsbereitschaft erwächst aus dem Gefühl des Schutzes und der Sicherheit, bezieht sich also zunächst auf den Verteidigungsfall, wenn die Gemeinschaft oder das Volk tatsächlich von einem Feind angegriffen wird. Dort macht sie Sinn. Offenbar bleibt diese Faszination aber auch erhalten, wenn der Verteidigungsfall mit Hilfe der Kriegspropaganda nur vorgetäuscht wird, es sich in Wirklichkeit aber um einen Angriffskrieg handelt. Auch der größte Aggressor muß dem Volk und den Frauen im Volk vorgaukeln, daß die Männer nur das Land verteidigen. Es wird immer nur „zurückgeschossen“.
Die Schönheit des starken, stolzen Kriegers, der die Frauen und Kinder der Heimat verteidigt, bleibt in den Augen der Frauen oft auch erhalten, wenn die irregeleiteten Krieger den Frieden der Heimat in einem fernen Land „verteidigen“ und dort Frauen und Kinder umbringen. Erst wenn der Krieg ins eigene Land zurückkommt, leidet dieses Bild. Doch dann ist es zu spät.
Dabei wäre es einfach, einen Verteidigungskrieg von einem Angriffskrieg zu unterscheiden. Immer dann, wenn ein Soldat in voller Rüstung die Grenzen des eigenen Landes überschreitet, ohne daß das Land angegriffen wurde, ist es ein Angriffskrieg. Deutschland führt also seit Jahren Angriffskriege.

Auf die Frage, wie Frauen dem Krieg ihre Gunst entziehen können, hatte die Aufstellung in Mexiko-City nur eine Antwort: Die Einsicht in die wahre Beziehung zwischen Frieden und Krieg. Erst dann können Frauen den Soldaten die so bewunderte Uniform ausziehen, bevor sie die Grenzen des Landes überschreiten, um in fernen Ländern zu kämpfen.

Die Beziehung zwischen Krieg und Frieden

Es gab eine Phase in der Mexikanischen Aufstellung, in der der Krieg im Zentrum stand und Mann und Frau voneinander fern hielt. Der Frieden umkreiste dieses Zentrum zwar, hatte aber keinen Zugang in die wirksame Mitte. Erst als viele Menschen auftraten, sich eine Gemeinschaft, eine Gesellschaft bildete, änderte sich die Situation. Offenbar sind Gemeinschaften, die sich aus normalen, nicht gegeneinander aufgehetzten Menschen bilden, grundsätzlich auf der Suche nach Frieden. Durch Gemeinschaften dieser Art wird der Frieden gestärkt und kann sich dem Krieg entgegenstellen. Je mehr sich die grundsätzliche Beziehung zwischen Frieden und Krieg zeigt, desto mehr kann die eigentliche Natur der Beziehung zwischen Frauen und Männern hervortreten. Je näher der Frieden dem Krieg kommt, je mehr Frieden und Krieg ihre Beziehung zueinander klären können, um so näher kommen sich Frauen und Männer. Das geschieht mitten in der Gesellschaft und durch sie. Einem einzelnen Paar, das von den Folgen der Kriege der Vergangenheit und der Gegenwart auseinandergehalten wird, gelingt das nicht. Auf die Metaebene übersetzt heißt das, daß sich Beziehungsstörungen, die diesen Hintergrund haben, nur verstehen und heilen lassen, wenn man den großen, sozialen Rahmen der Gesellschaft betrachtet und die Beziehung zwischen Frieden und Krieg auf der Ebene internationaler Beziehungen in Augenschein nimmt.

In der Beziehung zwischen Frieden und Krieg geschah in der Aufstellung Folgendes:
Durch die Annäherung des Friedens entwickelte der Krieg ein Gespür für sich selbst. Er fühlte seine Schwere und eine tiefe Wunde in seinem Zentrum. Jedes Ding ist immer das, was es im Zentrum ist. Deshalb kann man auch sagen, daß der Krieg diese Wunde selbst ist. Das bedeutet, daß der Krieg sich als Wunde immer wieder mit aller Macht zeigt, bis sie endlich geheilt wird. Ein Gefühl sagt mir, daß es sich bei dieser Wunde um eine Urverletzung handelt, vielleicht um den ersten tödlichen Stich, den ein Menschenbruder einem Menschenbruder zugefügt hat.
Interessant war, daß der Krieg den Frieden als Partner sah. Erst als der Frieden sich näherte, konnte der Krieg seine Wunde fühlen und sie zeigen. Der Frieden verstand das zunächst nicht. Er hatte das Zentrum des Krieges noch nicht erfaßt. Zwar zog der Frieden in die Beziehung zwischen Mann und Frau ein und stärkte ihre Verbindung, der Krieg aber war nur einen oder zwei Schritte entfernt. An dieser Stelle lachte der Frieden laut über den Krieg. Er dachte: „Warum? Warum wollen sie leiden? Warum ist das notwendig?“
Doch neben all der Erleichterung, die die Eruption einer lange aufgestauten Energie mit sich bringt, lag in diesem Lachen auch ein Anflug von Wahnsinn, ein Wahnsinn, der offenbar einem falschen, oberflächlichen Frieden innewohnt. Bei den Männern löste dieser falsche Frieden Aggressionen aus. Sie wollten den noch unerlösten Frieden in seinen Heiterkeitsausbrüchen aggressiv zum Schweigen bringen.
So war es wieder der Krieg, der den nächsten Schritt tat. Er umarmte den Frieden gegen dessen Willen mit der Intention, ihm letztendlich seine Wunde zu zeigen. Das Überraschende an dieser Stelle ist, daß sich der Frieden in der Umarmung des Krieges in Frieden fühlt. Obwohl der Frieden die Wunde des Krieges noch nicht bewußt wahrnimmt, bringt ihn die schiere Nähe zu dieser Wunde im Zentrum des Krieges in Frieden. Das erklärt vielleicht, warum sich für manche Menschen der Krieg bei Kriegsbeginn irgendwie richtig anfühlt, daß sich trotz des Wissens um das kommende Leid und den Tod auch eine gewisse Erleichterung einstellt, daß „es endlich wieder los geht.“ Besonders deutlich war dieses Phänomen beim Ausbruch des 1. Weltkrieges zu spüren. Die Zeitzeugen Carl Zuckmayer („Als wär’s ein Stück von mir“) und Ernst Jünger („In Stahlgewittern“) schildern dieses Phänomen eindrucksvoll. Das Gefühl, daß etwas am Krieg richtig sein könnte, erklärt sich vielleicht aus der zentralen Wunde, auf die der Krieg durch sein Erscheinen immer wieder hinweist, der Urverletzung, die ein Menschenbruder einem anderen Menschenbruder zugefügt hat, und die so bitter nach Heilung verlangt.

Euphorie 1. WeltkriegEuphorie in Deutschland bei Ausbruch des 1. Weltkriegs

In diesen Zusammenhang wird auch eine Aussage der Position „Krieg“ in der Mexikanischen Aufstellung verständlich, die in der Phase geäußert wurde, in der die Stellvertreter noch nicht wußten, für wen sie standen:

Der Krieg ist voller Liebe zu allen.

Diese Aussage überraschte alle Anwesenden. Sie ist erst verständlich, wenn der Krieg als eine Wunde der Menschheit verstanden wird, die nach Heilung sucht, als Krankheit, die nur eines will, darauf hinweisen, daß etwas grundlegend falsch liegt, daß der Gedanke, daß wir einander Feinde sein könnten, ein Fehler in der Evolution der menschlichen Gedankenwelt ist und daß es Zeit ist, in eine höhere Evolutionsebene zu wechseln. Von dieser Ebene aus betrachtet bringt der Krieg immer wieder Brüder zusammen, führt Menschenbruder zu Menschenbruder, damit sie sich, anstatt sich erneut wie seit Jahrtausenden zu zerfetzen, erkennen, umarmen und beieinander und miteinander Frieden finden.

Auf dieser Ebene gehören Krieg und Frieden zusammen. Sie bilden ein Paar. Der Krieg versteht sich erst dann, wenn der Frieden nahe kommt. Und der Frieden erkennt sein tiefstes Wesen erst, wenn er von Krieg umgeben ist. Wenn sie sich wieder voneinander lösen, kann der Frieden das wirkliche Gesicht des Krieges erkennen und ihm wegen seiner Stärke Achtung entgegenbringen. Diese Achtung gilt nicht nur der unheimlichen Kraft und Gewalt des Krieges, sondern vielmehr, wenn auch zum Teil noch unbewußt, der Tatsache, daß diese Kraft im Dienst der Heilung der tiefen und alten Menschheitswunde steht.
Zwar führt die Ehrerbietung des Friedens beim Krieg zu einer Überschätzung seiner Macht und zum Versuch, den Frieden zu unterdrücken (weil die Wunde immer noch nicht gesehen wird), aber der Frieden besinnt sich in diesem Moment auf seine Kraft und richtet sich gegen den Widerstand des Krieges zu seiner vollen Größe auf. In diesem Moment verliert der Krieg seine Kraft, implodiert, zieht sich aus allen Bereichen zurück, verläßt die Gesellschaft und steht weit abseits.
Die beruhigende Erkenntnis ist:

Auch wenn das Wesen des Krieges noch nicht ganz verstanden ist, hat der Frieden die größere Macht. Wenn wir dem Frieden erlauben, sich in unserer Mitte ganz aufzurichten, zieht sich der Krieg von selbst zurück.

Wie das Licht die Dunkelheit vertreibt, so vertreibt der Frieden den Krieg. So sah auch der Krieg in der Aufstellung, weit weg von der Mitte der menschlichen Gemeinschaft stehend, ein großes, mächtiges Licht in allen Menschen, das ihn blendete und weiter schwächte. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Krieg von den stechenden Augen der Toten, die vor ihm auf dem Boden lagen, getroffen. Dadurch erkannte er sich vollends selbst und fühlte sich erleuchtet.
Das korrespondiert mit einem Phänomen, das sich so oft in Familienaufstellungen zeigt, wenn es um Kriegsereignisse geht: Wahrer Frieden stellt sich erst ein, wenn die Opfer gesehen und geachtet werden und wenn sich die Täter und Mörder zu ihnen legen und ihnen gleich werden.

Doch selbst wenn das alles geschafft ist, der Frieden in der Mitte der Gesellschaft aufgerichtet ist, der Krieg sich selbst erkennend bereits in weiter Ferne ist und Mann und Frau zusammenstehen als ein in Liebe vereintes Paar, wartet noch eine ernstzunehmende Gefahr:

Für die jungen Männer hat der Krieg weiterhin eine magische Anziehungskraft.

Der Krieg war lange Teil des Mannes, hatte zu seinem Selbstverständnis gehört. Wenn sich der Krieg so sang- und klanglos zurückzieht, spürt der Mann eine innere Leere, die er nur dadurch füllen kann, indem er die Frau verläßt und in den Krieg zieht. Um das zu vermeiden bräuchte es offenbar einen rituellen Abschied vom Krieg, einen bewußten und vor aller Gemeinschaft ausgesprochenen Verzicht auf Gewinn und Verlust, ein rituelles Lebewohl.
Der einzelnen Frau gelingt es nicht, den Mann davon abzuhalten, wieder in die Ferne und in den Krieg zu ziehen. Dazu braucht es die gesamte Gemeinschaft, die in Form vieler Frauen und Männer den engen Kontakt mit dem wegziehenden Soldaten sucht und ihm die Kampfuniform auszieht, noch bevor er die Grenzen des Gesellschaft verläßt. Den alten, weisen Männern kommt dabei eine wichtige Funktion zu. Sie können die Unerfahrenheit in den jungen Männern erkennen und spüren, was ihnen fehlt. An der Brust des Großvaters kann der junge Mann Heimat finden, in der Heimat bleiben und den Vorteil erkennen, den die Heimat bietet: Die ruhige, friedvolle Verbindung zur Frau.
Die jungen Soldaten an der Grenze aufzuhalten, ihnen die Uniform auszuziehen und sie im Land und den friedvollen Armen der Frauen zu lassen, ist von entscheidender Bedeutung. Dieses Ziel ist aller Mühen wert. Wenn man dieses Ziel nicht erreicht, ist ein erneuter Krieg nicht aufzuhalten, kann der Krieg nicht kontrolliert zu werden.
Die Weisheit der alten Männer läßt die jungen Soldaten auf die toten Menschen schauen, die sie im Krieg töten werden, auch auf die toten Kameraden, die neben ihnen fallen werden und auch auf den eigenen Tod, den sie auf dem Schlachtfeld finden oder den sie nach Hause tragen, um ihn als Last auf ihre Familien zu laden. Diese Erkenntnis kann sie davor zurückhalten, in den Krieg zu ziehen. Die Weisheit der alten Männer erkennt die Soldaten als das, was sie sind. Junge Männer, die in Gefahr stehen wie in Trance in eine alte Falle zu gehen, Jungs, die nicht wissen, was sie tun.
Das gelingt im Zusammenhalt der Mitte der Gesellschaft, im Zusammenstehen von vielen Gleichgesinnten, die den Frieden aus Überzeugung bewahren wollen.

Man darf den Krieg nicht aus den Augen lassen.

Man darf den Krieg nicht aus den Augen lassen, nur weil er im Moment weit weg ist, sonst explodiert er. Das ist eine der Botschaften der Position „Frieden“ in der Mexikanischen Aufstellung. Das Wissen darüber, daß es den Krieg gibt, welches Wesen der Krieg hat und welche Folgen und daß er jederzeit wiederkommen kann, wenn man den Anfängen nicht wehrt, bewahrt den Frieden. Die Erinnerung an die Opfer und die Achtung vor ihrem Schicksal spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die Erinnerung und die gegenseitige Achtung in der Gegenwart dienen dem Frieden.

StolpersteinStolperstein

Frieden mit sich selbst.

Wenn die Vorfahren der eigenen Eltern miteinander Krieg geführt haben, trägt man ein ganz persönliches Konfliktpotential in sich. Die Folge ist Unfrieden mit sich selbst. Innerer Unruhe, Unzufriedenheit und die Unfähigkeit, Heimat zu finden, irgendwo ganz dazuzugehören sind typische  Erscheinungen dieses Zustands.
Erst nach der Mexikanischen Aufstellung begriff ich, daß ich davon selbst betroffen bin. Meine Großmutter war Tschechin. Ich bin Tscheche und Deutscher zur gleichen Zeit. Die Kriegsgeschichte dieser beiden Völker ist noch jung und in seinen Einzelheiten gut bekannt.
Um in solch einer Situation Frieden mit sich selbst zu schließen, muß man die „Soldaten“, die man gegen den jeweils anderen Volksstamm ins Feld führt, an der Grenze, die mitten durch die eigene Persönlichkeit geht, entwaffnen und ihnen die Kampfuniform ausziehen. Die „Soldaten“ sind auf dieser Ebene Gedanken, Vorurteile und Einstellungen, die man gegen das eine oder das andere Volk pflegt. Bei mir heißt das, daß ich jeden Gedanken, den ich über Tschechen pflege, und jeden Gedanken, den ich über Deutsche denke, auf den Prüfstand stelle. Sind es Einstellungen, die sich aus meiner eigener Erfahrung entwickelt haben, oder sind es Einstellungen, die das eine Volk gegen das andere Volk aus bitterer Kriegserfahrung eingenommen hat.

Erst wenn man den Frieden in sich selbst gefunden hat, ist man bereit und fähig, sich wirklich und mit ganzem Herzen auf eine Beziehung einzulassen.

Frieden zwischen Mann und Frau

Anngwyn wollte mich als Partner für den Workshop „Männer, Frauen und Frieden“, weil ich als Deutscher ein „früherer Feind“ gewesen sei. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich verstanden habe, was sie damit meinte. Sie ist Engländerin, ihre Vorfahren haben gegen Deutsche gekämpft. Etwas davon färbt offenbar in der englischen Seele noch auf uns heutige Deutsche ab. Wir sind die „früheren Feinde“. Ich nahm das zunächst nicht ernst. Meine direkten Vorfahren haben zumindest im 2. Weltkrieg nicht gegen Engländer gekämpft. Jetzt, da ich das schreibe, fällt mir allerdings ein, daß mein Großvater im 1. Weltkrieg an der Westfront war, also durchaus gegen Engländer gekämpft haben könnte. Bei meinem tschechischen Urgroßvater ist das auch nicht ausgeschlossen. Jedenfalls habe ich persönlich nie etwas gegen Engländer gehabt, im Gegenteil, ich mag sie. Mit Anngwyn bin ich seit mehr als 15 Jahren befreundet. Wir achten uns gegenseitig in unseren beruflichen Kompetenzen. Ich wußte also zunächst nicht, was sie mit dem „früheren Feind“ meinte.
Durch die Aufstellung „Frieden und Krieg“ in Mexiko-City veränderte sich allerdings die Qualität unserer Beziehung. Ich bemerkte das, als wir nach der Aufstellung noch mit der Gruppe im Kreis saßen und nachspürten, was wir da gerade erlebt hatten. Ich sah Anngwyn an, die neben mir saß, und spürte eine neuartige Entspannung zwischen uns. Mir war vorher keine Spannung und kein Problem bewußt gewesen. Und doch war jetzt etwas weg, was vorher gestört hatte. Ich verstand intuitiv, daß etwas vom Krieg noch zwischen uns gelegen und daß jetzt wirklicher Frieden eingekehrt war. Wir waren nicht mehr Engländerin und Deutscher, wir waren zwei befreundete Menschen, die es gut miteinander meinten. Ich schlug die Beine übereinander, lehnte mich zurück und machte Späße mit ihr. Sie lud mich vor der Gruppe ein, mit ihr nach England zu kommen und dort ein Friedensritual an einer Kriegsgedenkstätte zu feiern. Nach kurzem Zögern stimmte ich zu. Der Weg nach England, nach London, das ich noch nie besucht habe, stand mir plötzlich offen.
Was ich mit dieser kleinen Geschichte sagen will ist, daß man eine kriegerische Störung in einer Beziehung übersehen kann, wenn sie von Anfang an besteht. Man hat sich an ein gewisses Maß an gegenseitigem Mißtrauen, ein gewisses Maß an Verteidigungsbereitschaft gewöhnt und hält die kriegerische Atmosphäre oder den Mangel an wirklichem Frieden für normal. Erst die komplette Abwesenheit von kriegerischem Potential läßt uns erfahren, was tiefer Frieden ist.
Wenn das schon in einer beruflichen Partnerschaft so deutliche Auswirkungen hat, um wie viel intensiver mag dieser Effekt in einer Liebesbeziehung empfunden werden, in der tiefer Frieden auf Kinder und Kindeskinder weitergegeben werden kann.
Es lohnt sich in jeder Beziehung zwischen Mann und Frau, nach dem Kriegspotential Ausschau zu halten, damit Frieden einkehren kann. Wenn die Väter oder Großväter der Partner gegeneinander gekämpft haben, die Volksgruppen oder Völker der Partner verfeindet waren, wird man in aller Regel fündig werden. Dann gilt es, den nächsten Soldaten, demjenigen der als Nächster angreifen will, die Kampfuniform auszuziehen.
In einer Paarbeziehung, in der man selbst zum Angreifer wird, muß man diese Aufgabe selbst lösen. Das schafft man nur, wenn man die Gemeinschaft seiner Ahnen, der weisen Alten um sich schart, sich mit ihren Augen anschaut und damit das alte Muster des wiederkehrenden Krieges, der sich gegen geliebte Menschen richtet, aufbricht. Die gegenseitige Achtung ist der Pfad, auf dem dieses Ziel erreicht werden kann.

Der Kuß Rodin 2 Ausschnitt
Der Kuß. Skulptur von Auguste Rodin

Der Frieden der Kinder

Wir waren alle einmal Kinder. Wer in seinen aktuellen Beziehungen Unfrieden spürt, der hat ihn im Normalfall als Kind im Elternhaus gelernt. Wenn wir es als Erwachsenen schaffen, den Krieg in uns und in unseren Partnerschaften zu beenden und Frieden einziehen zu lassen, dann schaffen wir auch Frieden für die Kinder, die ihn später wiederum ihren Kindern weitergeben können.
Ohne es zu wissen, sind die Familien durch die Auswirkungen früherer Kriege in einen Teufelskreis von sich wiederholender Aggression und gegenseitiger Abwertung geraten. Indem wir das erkennen, können wir aus dem Karussell des immer Gleichen aussteigen.
Die Kinder werden es uns danken.

Die nächsten Termine des Workshops „Männer, Frauen und Frieden“ finden Sie hier.

Die Dokumentation der Mexikanischen Aufstellung können Sie in deutscher und englischer Sprache über folgende Links nachlesen:

Deutsche Version:
http://dr-rauscher.de/Docu_Frieden_und_Krieg_2.html

Englische Version:
http://dr-rauscher.de/Docu_Peace_and_war_2.html


Empfohlene Übungen:

Für den Frieden in sich selbst:
Stellen Sie sich die Frage, ob die Vorfahren Ihrer Mutter gegen die Vorfahren Ihres Vaters Krieg geführt haben. Wenn Sie fündig werden, stellen Sie sich vor, Sie stehen auf einem weiten Feld. Von der einen Seite kommen Vertreter des einen Volkes, von der anderen Seite Vertreter des anderen Volkes. Sehen Sie zu, wie sie sich die Hände reichen und nach all der Zeit Frieden schließen.

Für den Frieden in der Paarbeziehung:
Stellen Sie sich die Frage, ob Ihre Vorfahren gegen die Vorfahren Ihrer Partnerin oder Ihres Partners gekämpft haben. Wenn Sie fündig werden, stellen Sie sich vor, Sie stehen auf einem weiten Feld. Von der einen Seite kommen Vertreter des einen Volkes, von der anderen Seite Vertreter des anderen Volkes. Sehen Sie zu, wie sie sich die Hände reichen und nach all der Zeit Frieden schließen.

Für den Frieden mit der Welt:
Stellen Sie sich vor, Sie sind zu Fuß in einer großen Stadt unterwegs. Ihnen begegnen viele Menschen, auch aus anderen Ländern, mit anderer Hautfarbe, mit anderer Religionszugehörigkeit. Betrachten Sie sich selbst und alle, die Ihnen begegnen, als Bürger dieser Erde.
Grüßen Sie jeden einzelnen mit: „Ich grüße dich, Menschenbruder“ oder „Ich grüße Dich, Menschenschwester.“
Nehmen Sie in Ruhe wahr, was dabei in Ihnen geschieht.

Empfehlung für neue Leser: Wenn Sie diesen Blog neu entdeckt haben, empfehle ich Ihnen, auch die älteren Einträge von Anfang an wie ein Buch zu lesen. Wenn Sie es wünschen, kommentieren Sie nach Lust und Laune. Auch Ihre Gedanken gehören dazu und bereichern die Welt. Sobald Sie schreiben, werden Sie gelesen!

Ihr

Karl-Heinz Rauscher

Newsletter bestellen!
www.dr-rauscher.de

11 Kommentare »

  1. Guten Morgen Karl-Heinz,

    hab Dank für Deine sehr interessanten Ausführungen zum Frieden. Ich habe auch die Erfahrung machen können, dass nirgends die Polarität aus Licht/Dunkelheit, Krieg/Frieden so intensiv erfahrbar ist wie zwischen Mann & Frau.

    Betrachte ich die menschliche Entwicklung aus der Entwicklung unserer Körper als Stammeswesen, archaische Krieger- oder Liebeswesen, offenbaren sich schnell die Dynamiken, die in unseren Zellen abgespeichert sind. Immer wieder zeigen sich zwischen Männern und Frauen die Erlebenspendel von Sexualität, dem Schutz der Familie, Jagd nach Neuem, Freiheitsdrang und Festhalten, Krieg um Ressourcen der Stämme etc.

    Fall Du Lust hast das zu kontemplieren; es gibt ein geniales (e)Buch von Richard Rudd. „64 Gene-Keys – Unlocking the higher Purpose Hidden in Your DNA“ Die betreffenden Kapitel findest Du in Gate-59 und Gate-6.

    Herzliche Grüsse aus Wien
    http://MichaelRajiv.Shah.at

    Gefällt 1 Person

  2. Herzlichen Dank für Deinen Friedens-Artikel.

    Ein sehr komplexes Thema, extrem gut und sehr verständlich dargelegt. Bin tief beeindruckt.
    Ich sehe es so, dass Krieg und Frieden im Grunde Mann und Frau darstellt – Im Schutze des
    Mannes kann Frau den Mann einhüllen und Ihn in seiner Kraft bestärken und wirken lassen.
    Die Wunde des Mannes in Liebe heilen…. Das Eine geht nicht ohne den Anderen.
    Beginnend damit, den Frieden in unserem eigenen Herzen zu finden.
    Das Friedensgebet von Franz von Assisi erinnert uns daran.

    Herzlichst
    Claudia Hänse

    Gefällt mir

  3. Guten Tag Hr. Dr. Rauscher,

    mit großem Interesse habe ich Ihre Dokumentation sowie die Ausführungen hier zur Aufstellung gelesen. Ich bin u.a. Aufstellungsleiterin und Begründerin einer „inneren Aufstellung“, die, nur ganz kurz beschrieben, auf dem folgenden gefühlten Ablauf beruht:
    Anerkennung (sehen und gesehen werden),
    Annahme (dessen was JETZT ist),
    Eigen-Ermächtigung (der Schritt vom „inneren Kind“ zum Erwachsenen, von der Ohn-Macht in die Eigen-Ermächtigung),
    gefühlter innerer Autorität (Unabhängigkeit, Selbst-Wert, Selbst-Achtung und Selbst-Wirksamkeit)
    und vor allem und unabdingbar auf realisierter, also gefühlter eigener innerer Würde, ohne die, meiner bisherigen Erfahrung nach, Integration nicht zur Gänze gelingt

    In der von Ihnen beschriebenen Lösung von Mann/Frau-Konflikten sind die Haupt-Kriterien, die zur Lösung führen, (gegenseitige und Selbst-)Achtung und vor allem die eigene innere Würde der Väter, Mütter und Söhne (hier fehlen die Töchter :-)). Mit diesem Lösungsansatz gehe ich vollkommen konform, gibt es doch seit Anbeginn der Zeit über alle Generationen gegenseitige Verletzungen und daraus resultierende Wunden, die geheilt, also von den jetzt handelnden Personen integriert und damit über-wunden werden wollen, damit Friede einkehren darf.

    In der Sequenz, in der sich Krieg und Frieden (als Paar) begegnen, ist die beschriebene Lösung allerdings eine andere, die zwar sehr gut unser derzeitiges (Massen-)Bewusstsein wiederspiegelt, meiner Ansicht nach aber nicht die schlussendliche Lösung, sondern, wenn überhaupt, ein Schritt in Richtung Lösung ist, da sie die Aspekte „der Frieden hat mehr Macht“, „Vertreibung, Rückzug und Ausgrenzung“ anstatt „Integration“, „Implosion und Explosion“ in sich trägt und somit „Krieg hat Anziehungskraft“ hervorbringt und Krieg als eine „ernstzunehmende Gefahr“ beinhaltet.

    Alles obige sind aus meiner Sicht Konsequenzen der gedanklichen Vorstellungen, Interpretationen und vor allem der Bewertung „schlecht/böse“ von uns Menschen bzw. den Darstellern in der Aufstellung über den Krieg, die in das Feld eingebracht werden und einer vollkommenen Integration und damit einer Be-Friedung des Krieges derzeit noch entgegenstehen. Das gleiche gilt auch für den Frieden. Auch diesbezüglich haben wir gedankliche Vorstellungen. Wir wünschen uns z.B., dass der Frieden mehr Macht als der Krieg hat, dass wir den Krieg bekämpfen sollen/können, etc., etc. Die Dualität von „Frieden ist gut/Krieg ist schlecht“ hat uns in ihren Fängen.

    Was daher nicht oder kaum verstanden wird und auch nur „verdeckt“ (also ohne Gedankenkonstrukte und daraus resultierender persönlicher Bewertungen und Emotionen) wahrnehmbar ist, ist der gefühlte/erlebte Fakt „Der Krieg ist voller Liebe zu allem“. Das sehe ich als Dreh- und Angelpunkt und für eine Lösung eminent wichtigen Ausgangspunkt, der aber sofort „implodiert“ sobald die Information „Krieg“ im Feld erscheint. Von jetzt auf gleich ist diese Liebe nicht mehr gefühlt da. Und ohne diese Liebe liefert sich das Paar Krieg/Frieden einen Macht-Kampf. Beginnend mit Ehrerbietung, die beim Krieg zur Überschätzung der Macht und zum Versuch der Unterdrückung führt, die der Frieden damit beantwortet, dass er sich mit Kraft „gegen den Widerstand“ des Krieges aufrichtet, was beim Krieg wiederum zum Verlust der Kraft, zur Implosion und zum Rückzug führt. Dieses Szenario kann nur entstehen, wenn Würde und Liebe abwesend sind.

    Ähnlich beim Frieden. Realisierter Frieden ist im Frieden mit ALLEM – auch mit Krieg. Und auch hier stehen uns unsere Vorstellungen, was Frieden ist und wie wir Frieden realisieren können (nämlich durch die „Bekämpfung, Ausrottung, Ausgrenzung, Widerstand, Unterdrückung, etc.“ von Krieg) bei der Integration/Transformation von Krieg im Weg.

    Wenn wir danach trachten, Frieden vollumfänglich zu realisieren, kommen wir mAn nicht umhin, unsere Vorstellungen samt Bewertungen von Krieg und Frieden Schritt für Schritt aufzulösen. Dann erst sind wir (die innere gefühlte Würde, die Liebe und der Frieden in uns) in der Lage, den Krieg – so wie er sich zeigte – als „in voller Liebe zu allem“ anzunehmen und unsererseits wieder-zu-lieben. Gefühlt, nicht nur gedacht.

    Ich möchte noch anmerken, dass mein Beitrag auf meiner Wahrnehmung ihrer Beschreibung beruht. Um Interpretationen zu vermeiden habe ich mich soweit es mir möglich war, in das Feld eingefühlt, es kann aber natürlich ob der Komplexität auch sein, dass ich etliche Aspekte nicht richtig wahrnehmen konnte. Bitte sehen Sie meine Ausführungen daher nur als einen kleinen Beitrag zum Frieden.

    Vielen Dank!
    Margit Dechel

    Gefällt mir

    • Guten Abend Frau Dechel,
      vielen herzlichen Dank für Ihre weisen Worte. Ich unterstreiche alles, was Sie sagen.
      Meine Gedanken im Blog, die durch die „Mexikanische Aufstellung“ angestoßen wurden, sollen und können keine abschließende Aussagen sein, sondern im Gegenteil eine offenen Raum für Menschen schaffen, die beitragen wollen. Wie die Aufstellung in Mexico-City nahelegt, braucht es tatsächlich eine Gemeinschaft, eine Community, um den Krieg zu verstehen und damit das Leid, das er verbreitet, in einer friedlichen Atmosphäre zu mindern.
      Liebe natürlich und das Wissen, daß wir im Tiefen alle verbunden sind, führt weiter.

      Ihnen viel Erfolg und Freude bei Ihrer Arbeit und einen schönen Abend.
      Über einen weiteren Austausch freue ich mich.

      Liebe Grüße

      Karl-Heinz Rauscher

      Gefällt mir

  4. Guten Tag Hr. Dr. Rauscher,

    vielen Dank für Ihre schnelle Antwort und danke, dass Sie meine Worte als „weise“ ansehen. Im Sinne der Befriedung jeglicher (Macht-)Kämpfe und eines Miteinanders bis hin zur gefühlten und damit realisierten Einheit freue ich mich über Ihre Zustimmung.

    Ich denke, es braucht jeden einzelnen Menschen, der in sich Frieden gefunden und realisiert hat bzw. sich auf dem Weg dorthin befindet und somit seinen Teil dazu beiträgt, in sich selbst und damit in der Welt kein weiteres Leid mehr zu initiieren. Verständnis ist ein guter erster Schritt, bis zur gefühlten Verbundenheit bzw. Einheit hat die Menschheit allerdings noch ein gutes Stück Weg vor sich…

    Den Begriff „Gemeinschaft“ sehe ich persönlich von zwei Seiten. Die eine Seite ist das Zusammen-Sein von Menschen mit gleicher/ähnlicher Haltung, das sicher dazu angetan ist, mehr be-wirken zu können als ein Einzelner. Die andere Seite ist die mögliche Etablierung eines „wir“, das wiederum automatisch ein „die Anderen“ entstehen lässt. Da brauchts mAn die dritte Seite, sprich eine neue Ebene der Verbundenheit, die diese Seiten vereint.

    Soweit meine heutigen Gedanken-Spielereien:-).

    Ich wünsche Ihnen auch viel Freude bei Ihrer weiteren Arbeit und tausche mich sehr gerne weiter mit Ihnen aus.

    Liebe Grüße,
    Margit Dechel

    Gefällt 1 Person

  5. Liebe Frau Dechel,

    auch hier gebe ich Ihnen recht. Das Wir ist nur heilsam, wenn es alle umfaßt und sich nicht gegen jemand richtet. Ich befasse mich ja schon seit Jahrzehnten mit dem „Prinzip der Einheit – Die Tatsache, daß alles mit allem verbunden ist“. Als Symbol dafür steht der „circle of all“, in dem alle Menschen sich auf Augenhöhe und mit gegenseitiger Hochachtung begegnen.
    Die Eintrittskart löst man, indem man jede Abwertung und jede Aufwertung aufgibt.

    Vielleicht interessiert Sie in dem Zusammenhang mein Blog rauscherblog.com , indem ich genau darüber schreibe.

    Herzliche Grüße

    Karl-Heinz Rauscher

    Gefällt mir

  6. Lieber Karl-Heinz Rauscher!

    Dem heutigen FB Eintrag folgend zu Deinem Keynote Vortrag KOLLEKTIVES HEILEN (mein Beifall dafür) bin ich hier auf Deinem Blog gelandet. Herzlichen Dank für die Ausführungen und Beschreibungen dieser Frieden und Krieg Aufstellung. Mit allem gehe ich in Resonanz und fühle Übereinstimmung. Neue Aspekte und Zusammenhänge haben sich für mich eröffnet. Während des Lesens war mir so, als ob ich an dieser Aufstellung teilnehmen würde. Sehr lebendig wirkt das Feld noch über ein Jahr später.
    Gerne möchte ich an solch einer Aufstellung als Stellvertretende teilnehmen. Gibt es dazu Möglichkeiten?
    Berührend Deine Arbeit!
    I bow.
    Herzensgruß

    Isabelle

    Gefällt mir

    • Liebe Isabelle,
      solche Aufstellungen sind bisher nicht häufig. Es gibt derzeit keine Workshop-Model, das garantiert, daß dort vor allem solche kollektiven Aufstellungen gemacht werden. Allerdings ist der Fokus im Seminar „Männer, Frauen und Frieden“, das ich nächstes Jahr mehrmals in Deutschland und anderen Ländern halte, immer auch auf der kollektiven Ebene. Vielleicht möchtest Du als nächstes daran teilnehmen. Die Termine findest Du hier:
      http://dr-rauscher.de/Seminare_2.html
      Liebe Grüße
      Karl-Heinz

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s