Magdalena gehört auch dazu.

Natürlich gehört Magdalena auch dazu. Sie gehört dazu wie Jesus Christus. Sie gehört dazu wie Du und ich. Sie gehört sogar eine Weile lang mehr dazu, weil sie über 2000 Jahre ausgegrenzt war. Das ist eine lange Zeit.

Maria Magdalena, die Geliebte und Frau von Jesus Christus, wurde ausgegrenzt. Damit wurde die Liebe der beiden zueinander ausgegrenzt, ja die Liebe zwischen Mann und Frau insgesamt. Die Wertschätzung der Frau hat darunter sehr gelitten. Als Reaktion darauf hat auch die Wertschätzung des Mannes gelitten. Beiden blieb nur der Kampf der Geschlechter, der noch heute tobt. Dabei muß das gar nicht sein.

Wir hätten gar nichts davon erfahren, wenn nicht die Römer die katholische Kirche zu uns gebracht hätten, die dieses abträgliche Frauen- und Männerbild in sich trug.

Magdalena gehört auch dazu.

Das ist mir in diesem Frühjahr bei einer Familienaufstellung klar geworden, die ich leiten durfte. In dieser Familie lag über Generationen eine Grenzverletzung in der Luft, Frauen wurden von Männern geschlagen, zumindest abgewertet und nicht als das gesehen, was sie waren. Die Mißachtung der Frauen und ihrer Grenzen war in dieser Aufstellung so mächtig und alle Generationen bis in frühere Jahrhunderte beherrschend, daß sie wie eine Institution wirkte, die dafür sorgte, daß sie weiterhin Macht behielt und immer weiter fortbestand.

Als erzählt wurde, daß die Familie bis weit zurück sehr religiös war, stellte ich die katholische Kirche als Position auf, um zu sehen, ob sich ein Bezug zu der Grenzverletzung zeigen würde. Tatsächlich verlor die Position der Grenzverletzung deutlich an Kraft, während die Katholische Kirche nun offensichtlich diese Macht ausübte.

Alleine dadurch, daß offensichtlich wurde, wo der Ursprung der Grenzverletzung lag, veränderte sich etwas in den Paarbeziehungen der Familie bis zurück zu den Ururgroßeltern. Allerdings war diese Einsicht noch nicht ausreichend, um das Gegeneinander zu beenden und die Liebe fließen zu lassen. Die katholische Kirche aber wurde schwächer, je länger alle Beteiligten in dem Wissen auf die Kirche schauten, daß sie der Urheber der Grenzverletzung und der fehlenden Wertschätzung war. Die katholische Kirche verlor an Macht und Einfluß, ging zu Boden und lag bald lang ausgestreckt auf dem Rücken. Dabei verwandelte sie sich in Jesus Christus, der auf ein liegendes Kreuz genagelt war.

Das Thema Schuld war plötzlich im Raum und wurde als Postion in die Aufstellung gestellt. Sobald sie stand, sank sie zu Jesus nieder und umarmte ihn innig. Jesus löste seine Hände vom Kreuz, umarmte die Schuld, die plötzlich seine Frau und Geliebte war, innig und weinte bitterlich in ihrer Umarmung, ob der langen Trennung. Es war offensichtlich, daß sie ein Liebespaar waren.

Dieses Bild heilte alle Beziehungen der Paare, die in der Aufstellung standen. Über die Generationen bis in die Gegenwart konnte die Liebe zwischen Mann und Frau plötzlich fließen. Alle Aggression war verschwunden. Es fühlte sich an wie wahre Erlösung.

Wir waren alle tief berührt von diesem heilenden Bild. Noch am nächsten Tag beschäftigten wir uns mit den Auswirkungen dieses Bildes auf jeden einzelnen von uns. Die Schuld war verschwunden. Die Liebe und die Frauen waren geehrt. Die Frauen gewannen an Hochachtung bei den Männern und die Männer gewannen an Hochachtung bei den Frauen. Statt Angst, Aggression und Geschlechterkampf kann nun liebende Vereinigung einziehen.

Folgendes Bild trat vor meine Augen, das ich der Gruppe mitteilte: Wenn ihr Jesus Christus wieder einmal an ein Kreuz genagelt seht, dann stellt euch vor, er steigt herab und geht mit Magdalena am Arm durch die Kirche hinaus ins Leben wie nach einer Vermählung. Und dort tun sie ganz gewöhnliche Dinge, gehen hinüber zur Eisdiele, trinken einen Cappuccino oder sie gehen erstmal heim und lieben sich.

Erleichterung zog ein und eine lähmende Müdigkeit, die sich vorher in der Gruppe breit gemacht hatte, verschwand.
Seit diesem Seminar hat sich auch in mir etwas zum Besseren gewandelt. Es ist eine ganz feine Veränderung, die ich nicht mit Worten beschreiben kann. Sie paßt zum österlichen Licht.

Magdalena gehört auch dazu. Wir sind vollständiger mit ihr.

Empfohlene Übung: 

Wenn Sie bemerken, daß sie abschätzig auf eine Frau oder einen Mann oder sich selbst schauen, stellen Sie sich vor, Jesus Christus steigt vom Kreuz und geht mit Magdalena am Arm durch die Kirche hinaus ins Leben wie nach einer Vermählung. Und dort tun sie ganz gewöhnliche Dinge.
Lassen Sie diese Vorstellung einige Minuten auf sich wirken.
Dann schauen Sie wieder auf Ihr Gegenüber.

Empfehlung für neue Leser: Wenn Sie diesen Blog neu entdeckt haben, empfehle ich Ihnen, auch die älteren Einträge von Anfang an wie ein Buch zu lesen. Wenn Sie es wünschen, kommentieren Sie nach Lust und Laune. Auch Ihre Gedanken gehören dazu und bereichern die Welt. Sobald Sie schreiben, werden Sie gelesen!

Ihr

Karl-Heinz Rauscher

http://www.dr-rauscher.de

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