Ein kollektives Trauma gehört auch dazu.

 Jedes Trauma, ob persönlich oder kollektiv, gehört dazu, ganz einfach, weil es geschehen ist. Wer es dazugehören läßt, es also in sein Bewußtsein läßt, kann einen positiven, aufbauenden Umgang damit finden. Wer es verleugnet, verheimlicht, ein Geheimnis daraus macht, es vergißt, läuft Gefahr über Jahre oder Jahrzehnte davon belastet zu werden. Wenn kollektive Traumen wie Krieg, Genozid und religiöse Verfolgung ins Vergessen verdrängt werden, tragen noch viele Generationen daran. Das kann verschiedene Formen annehmen.

Auf Paarbeziehungen der nachfolgenden Generationen können kollektive Traumen der Vergangenheit eine störende bis zerstörende Wirkung haben. Das hat sich in vielen Systemaufstellungen der letzten Jahrzehnte und im Workshop „Männer, Frauen und Frieden“, den ich gemeinsam mit Anngwyn St. Just in den letzten zwei Jahren in zwölf Ländern gehalten habe, gezeigt.
Die störende Wirkung eines kollektiven Traumas auf die Paarbeziehung entfaltet sich immer dann, wenn durch das Trauma die gegenseitige Hochachtung zwischen den Geschlechtern verloren gegangen ist.

Tantra

Denn die Grundlage für das Glück in der Paarbeziehung ist die gegenseitige Hochachtung der Geschlechter. Nur mit gegenseitiger Hochachtung ist die Begegnung auf Augenhöhe möglich, die den Partner als gleichwertige Facette derselben Ganzheit erkennt. Die Sehnsucht, diese Ganzheit in der geglückten Vereinigung zu erleben, bringt die Liebespartner zueinander. Die Einheit ist das Ziel, gegenseitige Hochachtung die Voraussetzung.

Typische kollektive Traumen, die hier störend eingreifen, sind die religiös motivierte Mißachtung des Weiblichen, die Wiederauflage von früheren internationalen und nationalen Kriegen und Konflikten in der Paarbeziehung und die Folgen der Mißachtung des Männlichen als Kriegsfolge.

Die Mißachtung der Frau durch patriarchale Religionen

Das schleichende Trauma der Mißachtung, denen Mädchen in Kulturen ausgesetzt sind, in denen patriarchale Religionen vorherrschen, ist erheblich. Da es sich um ein kollektives Trauma handelt, das fast alle auf ähnliche Weise berührt, wird es nicht als Trauma wahrgenommen, sondern als vorgegebene Normalität erlebt. Wie sich ein Leben anfühlt, in dem ein Mädchen genauso hoch geachtet wird wie ein Junge, weiß keiner mehr so recht, da diese Art von Trauma seit hunderten oder sogar tausenden von Jahren besteht und von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Neben der Mißachtung der Frauen durch die Männer ist nach all der Zeit auch die Mißachtung der Frauen sich selbst gegenüber ein Problem. Doch dabei bleibt es nicht.

Jeder Mensch, der ständig der Mißachtung seiner Person und seiner Fähigkeiten ausgesetzt ist, sinnt unbewußt auf Rache. Irgendwo muß es einen Bereich geben, an dem man der Ohnmacht entfliehen, den Spieß umdrehen und selbst Macht ausüben kann. Dieser Bereich ist die Paarbeziehung. Frauen, die von Männern mißachtet werden, beginnen ihrerseits die Männer zu mißachten. Die Folge ist gegenseitige Mißachtung, Kampf und Verletzung als unbewußte Rache.

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Die gegenseitige Mißachtung wird in Gesellschaften mit patriarchal religiöser Prägung auf diese Weise zum Teil des Systems, wird zum systemimmanenten Faktor, der den Kindern in die Wiege gelegt und dem Hochzeitspaar an die Seite gestellt wird.

Was das für ein Liebespaar bedeutet kann man ermessen, wenn man in einer systemischen Aufstellung eines Paares die „betreffende Religion“, die „Mißachtung“ und das „Glück in der Paarbeziehung“ als Systemposition hinzunimmt. Das Ergebnis wird je nachdem, welchen Einfluß die Religion in den jeweiligen Herkunftsfamilien spielt, unterschiedlich ausfallen. Da es sich jedoch um einen kollektiven Einfluß handelt, lohnt sich der klare, systemische Blick auf diesen Bereich auf jeden Fall.

Wenn sich in der Aufstellung die Mißachtung des Gegenübers durch die Religion als stark herausstellt, ist die Entmachtung der einschränkenden, religiösen Vorstellungen in der eigenen Seele die Lösung. Doch das ist angesichts der kollektiven Erfahrungen der letzten Jahrhunderte nicht einfach. Denn man müßte sich ein eigenes Weltbild oder einen eigenen Gott schaffen, der Frauen und Männer gleichermaßen achtet und die Vereinigung der beiden auch auf körperlicher Ebene als gewünschten und heiligen Akt betrachtet. Sex nicht als Sünde, sondern als heilige und heilende Handlung zweier Menschen, die sich auf gleicher Ebene begegnen. Mit anderen Worten: Man müßte vom Glauben abfallen.

Da solches Verhalten in der Vorgeschichte unserer westlichen Gesellschaften mit dem Ausschluß aus der Gemeinschaft oder in den Hexenverfolgungen mit dem Tod bestraft wurde und viele Menschen diese kollektiven Traumata heute noch energetisch mit sich tragen, kann es an dieser Stelle schwierig werden.

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Denn wie bei persönlichen Traumata der eigenen Biographie können auch Traumata aus der kollektiven Vergangenheit, egal ob von einem Vorfahren aus dem Familiensystem energetisch übernommen oder in einer früheren Inkarnation selbst erlebt, durch aktuelle Ereignisse reaktiviert werden. Konkret kann es bei betroffenen Menschen zu Angst- und Panikzuständen kommen, sobald sie die erlernte Religion verlassen oder auch nur die eigene Sexualität als heiligen Akt betrachten wollen.

Da diese Art der unbewußten Panik oft die Qualität einer reaktivierten Todesangst in sich trägt, kann die innere Befreiung angesichts der emotional erinnerten Gefährdung von Leib und Leben nicht stattfinden.
Es genügt daher im Einzelfall oft nicht, den Ursprung der gegenseitigen Mißachtung der Partner in der religiösen Ausrichtung zu identifizieren. Zur Heilung muß in solchen Fällen auch ein mögliches persönliches oder kollektives Trauma, das mit diesem Thema verbunden ist, entdeckt und behandelt werden.

Traumatherapie als Hilfestellung, die Paarbeziehung von störenden, religiösen Einflüssen zu befreien.

In der Therapie eines persönlichen Traumas der eigenen Biographie oder einer früheren Inkarnation führt man, verkürzt gesagt, den erwachsenen Menschen in einem geschützten Rahmen in die Traumasituation zurück und läßt ihn den in der traumatischen Situation zurückgebliebenen Seelenanteil befreien und behutsam zu sich in die Gegenwart mit herübernehmen. In der heilenden Bewegung nimmt die Klientin/der Klient den verlorenen Seelenanteil behutsam in sich auf, erlaubt ihm, sich sowohl im Körper auf alle Zellen, wie auch in alle Bereiche der Aura auszubreiten.

Durch diese Wiedervereinigung vollständig geworden und in der Erkenntnis, daß das Trauma lange vorbei ist, fällt der notwendige Schritt, die Etablierung der Hochachtung dem anderen Geschlecht gegenüber leichter.

Wenn es gelingt, wird dieser Schritt oft als „life changing moment“ erlebt, der die eigene Wahrnehmung und damit das gesamte Leben verändert. Denn durch die Etablierung der Hochachtung dem anderen Geschlecht gegenüber wird auch die Hochachtung dem eigenen Geschlecht gegenüber und damit auch der eigenen Person etabliert.

Das kollektive, religiös motivierte Trauma

Die Therapie eines kollektiven, religiös motivierten Traumas erfordert einen weiteren Rahmen, da das Geschehen oft weit in die Vergangenheit des Herkunftssystems zurückreicht und die Entmachtung der religiösen Institutionen, die im Hintergrund der Familie immer noch wirken, von der Klientin oder dem Klienten manchmal nicht geleistet werden kann. Hier reichen manchmal die klassischen Werkzeuge und Möglichkeiten der Systemaufstellung nicht aus, um eine gute, andauernde Lösung des Problems zu erreichen. In solchen Situationen setze ich seit Jahren die von mir entwickelte schamanisch-energetische Heilmethode „Healing voices“ ein. Die dadurch erzielten Ergebnisse sind sehr ermutigend und berühren stets auch die kollektiven Ebenen.

Bei der Heilmethode „Healing voices“ gehe ich während einer Aufstellung in die Systemposition eines Mediums und lade Heilenergien ein, in dem aufgestellten Feld heilsam tätig zu werden. Die Heiler arbeiten mit Gesten und Tönen, denen ich mich als „aufgestelltes Medium“ überlasse. Die überraschenden, heilsamen Wirkungen, die dabei von allen Beteiligten erlebt werden, lassen vermuten, daß die Heilenergien im wissenden Feld genauso bereitliegen wie die Informationen über menschliche Beziehungen und frühere Ereignisse, zu denen wir bei jeder klassischen Aufstellung Zugang gewinnen.

Information

Ich spreche in diesem Zusammenhang vom Heilende Feld als Ergänzung zum Wissenden Feld. So wie die Informationen des wissenden Feldes einen menschlichen Repräsentanten brauchen, um den Beteiligten in einer Aufstellung bewußt werden zu können, so brauchen die heilenden Energien aus dem heilenden Feld offenbar auch einen menschlichen Mittler, um sich auswirken zu können. Oder wie ich es in meiner Keynote-Rede auf dem nordamerikanischen Kongreß für Systemaufstellungen „Bridging the Divide“ im Oktober 2017 in Virginia Beach ausdrückte: „Wir Menschen werden gebraucht, für unsere eigene Heilung.“

Lesen Sie dazu meine Keynote-Rede in Virginia Beach:
Deutsche Version
Englische Version

Berlin Kriegsende

Krieg und Konflikt

Internationalen Kriege und auch nationale Konflikte der Vergangenheit können eine Paarbeziehung der Gegenwart auf verschiedene Weise stören.

Die Neuauflage eines Krieges in der Paarbeziehung

Wenn zwei Partner aus verschiedenen Nationen oder Volksgruppen stammen, die früher gegeneinander Krieg geführt haben, besteht die Gefahr, daß der frühere Konflikt in der Paarbeziehung unbewußt wiederbelebt wird. Er entzündet sich oft an Kleinigkeiten, die die Tiefe der erlebten Gefühle in keiner Weise erklären. Da sich diese Art von Konflikt heimlich und unerkannt einschleicht, hat das Paar zunächst keine Chance, dem Konflikt zu entgehen oder auch nur im Ansatz eine Lösung zu finden. Erst der klare, systemische Blick in einer Aufstellung enthüllt die verdeckten Hintergründe. Um den Konflikt zu lösen, müßte jeder der Partner innerlich Frieden mit dem anderen Volk oder der anderen Volksgruppe schließen, egal was sich die Vorfahren gegenseitig angetan haben mögen.

Typische Beispiele sind Partnerschaften, in denen sich Deutsche mit Russen, Polen oder Juden verbinden, oder weiße Amerikaner mit Ureinwohnern oder Vietnamesen, oder Nachfahren von Sklaven mit Weißen. Die Liste kann endlos weitergeführt werden.

Der intrapersonale Kampf zweier Nationen

Auch wenn ein Mensch über die Eltern zwei Nationen, die früher Krieg miteinander geführt haben, in sich vereint, kann das sowohl in der Persönlichkeit des Betroffenen wie auch in seiner Partnerschaft zum Problem werden.

Wenn z. B. jemand halb Deutscher und halb Tscheche ist, oder Vierteltscheche so wie ich (meine Großmutter war Tschechin), dann schaut man vielleicht einen Teil von sich so an, wie Deutsche Tschechen anschauen, und den anderen Teil schaut man so an, wie Tschechen Deutsche anschauen. Nach den Ermordungen und Vertreibungen im 2. Weltkrieg und kurz danach können diese inneren Anschauungen durchaus negativ sein. Das heißt, man befindet sich mitunter schon von Kindesbeinen an unbewußt in einer Situation, in der man einen gewichtigen Teil seiner selbst abwertet und einen erheblichen Teil seiner Möglichkeiten und Talente unterdrückt und nicht aufleben läßt.

Wenn man unter seinen Möglichkeiten lebt, stört das nicht nur die eigene Persönlichkeitsentfaltung, sondern auch jede Paarbeziehung, die man eingeht, da man nur zum Teil da ist, nur zum Teil als Partner zur Verfügung steht. Die Erfüllung läßt auf sich warten. Das kann durchaus Grund für Rückzug und Trennung sein.

Um hier die Lösung zu erreichen, müßte man in der eigenen Seele Frieden mit beiden elterlichen Nationen schließen, egal was sich die Angehörigen dieser beiden Nationen früher angetan haben mögen. Frieden auf dieser Ebene zu finden ist ein beinahe spiritueller Vollzug, zu dem eine Systemaufstellung und die „Healing voices“ wesentlich beitragen können.

Die Mißachtung der Männer als anhaltende Kriegsfolge

Die Frauen hoffen, daß ihre Männer aus dem Krieg so heimkehren, wie sie in den Krieg gezogen sind. Doch diese Hoffnung trügt. Die Männer finden entweder den Tod oder kommen beschädigt und traumatisiert zurück, in der Seele gebrochen, in ihren Gefühlen verhärtet und zu inniger Nähe nicht mehr fähig. Die Frauen, die in Kriegszeiten zu Hause ausgehalten haben, müssen auch nach Kriegsende die Starken sein und die heimgekehrten Männer emotional versorgen, manchmal wie Kinder.

Dadurch leidet die Achtung vor den Männern, sie werden von den Frauen nicht mehr für voll genommen. Manchmal gibt sogar ein Soldatentod Anlaß zur Mißachtung des Gefallenen. Warum ist er bloß nicht zurückgekommen? Wie wenn er eine Wahl gehabt hätte.

KriegsheimkehrerDeutsche Kriegsheimkehrer 1955

In Deutschland wurde das Männerbild nach dem 2. Weltkrieg doppelt belastet. Die Verlierer kommen immer mit Schmach beladen nach Hause. Sie waren in Deutschland auch noch mitverantwortlich für die Bombardierungen deutscher Städte und für tausendfache Vergewaltigungen der eigenen Frauen, haben sie doch Tod, Verwüstung und sexuelle Gewalt in die anderen Länder getragen, sind selbst zu Kriegsverbrechern geworden und haben so die Gegengewalt provoziert. Auch wenn man darüber nicht sprach, es gar nicht wissen wollte, wußte es doch jeder.

Doch auch in anderen Ländern, die Krieg führten oder aktuell führen, hat die verlorene Hochachtung der Männer ganz ähnliche Folgen in den Familien. Die Frauen haben keine gleichwertigen, emotional zugänglichen Männer mehr. Als Ersatz halten sie sich an die Söhne und binden sie emotional zu sehr an sich. Die Söhne werden zu Muttersöhnen, die die Abwertung des Vaters von der Mutter übernehmen. Durch die Abwertung des Vaters werten sie auch das Männliche in sich selbst ab und können deshalb, wie ihre Väter, den Frauen kein gleichwertiges Gegenüber sein. Die Frauen der Söhne binden die neue Generation der Söhne emotional zu sehr an sich und so wird diese Art der Kriegsfolge von Generation zu Generation weitergegeben.

Die Männer rächen sich dafür an den Frauen, indem sie ihnen ihrerseits Mißtrauen entgegenbringen, indem sie von ihren Frauen genau das erwarten, was sie bei ihren Müttern erhalten haben, Liebe, die ihren Preis hat, Liebe, die mit Machtverlust und Manipulation erkauft wird.

Auf eine Frau, die dominiert, kann ein Mann auf drei Arten reagieren: Mit Selbstaufgabe, die in die Depression führt, mit dem Versuch die Frau seinerseits zu dominieren, was keinen Frieden schafft, sondern einen dauerhaften Kriegszustand hervorruft, oder die Frau zu verlassen, was in die Einsamkeit führt oder in eine neue Beziehung, in der nach einiger Zeit oft ähnliche Probleme auftauchen.

Die Lösung ist, daß beide Partner die verborgene Dynamik durchschauen, das über Generationen wirksame Beziehungsmuster bei den Eltern und Großeltern lassen und Hochachtung dem anderen Geschlecht gegenüber in die eigene Seele einziehen zu lassen, egal welche Kriege die Vorfahren geführt haben mögen.

Gegenseitige Achtung

Dazu ist es manchmal notwendig, den Ursprung der Mißachtung im Familiensystem aufzuspüren und die übernommenen Einstellungen und Belastungen an frühere Generationen zurückzugeben. Die Erkenntnis, daß es sich auch um ein kollektives Geschehen handelt, daß die Mißachtung des anderen Geschlechts in der gesamten Gesellschaft eine Kriegsfolge sein kann, macht den Weg frei zu einem tieferen Verständnis. Plötzlich erkennt man klarer, an welchen Stellen und in welcher Form die Mißachtung des Männlichen und die Mißachtung des Weiblichen in der Gesellschaft verankert ist und wo sie auftaucht. Dann fällt es leichter, dieser Tendenz entgegenzutreten und dazu beizutragen, ein verändertes Klima zu schaffen, in dem gegenseitige Hochachtung zwischen den Geschlechtern gefördert wird und es leichter fällt, die Achtung dem eigenen Partner auf ganz persönlicher Ebene aufzubauen und als neue Möglichkeit des Miteinanders zu feiern.

Kollektive Traumata in konzertierte Aktion

Die Störungen der Paarbeziehung durch kollektive Traumata sind also vielfältig. Im Klangteppich der gesellschaftlichen Hintergrundsmusik mischen sich dissonante Töne aus verschiedenen Quellen. Ein Liebespaar kann zur selben Zeit den Störfeldern von religiös motivierter Mißachtung des Weiblichen, der Wiederauflage von früheren internationalen und nationalen Kriegen und Konflikten wie auch den Folgen der Mißachtung des Männlichen als Kriegsfolge ausgesetzt sein.

Das dissonante Hintergrundskonzert der Gesellschaft als Kollektiv wird durch die spezifischen Erfahrungen des Herkunftssystems modifiziert, verstärkt oder abgeschwächt. Man findet in der Paartherapie alle Schattierungen von Mißachtung des Partners oder auch Überhöhung des Partners, was einer Mißachtung der eigenen Person gleichkommt.

In einer Systemaufstellung lassen sich die Zusammenhänge klarer darstellen. Dabei kann man die „Achtung“und die „Mißachtung“ als Gradmesser der Aufstellungsentwicklung als Systemposition mit aufstellen.

Die kollektive Ebene als Heilpotential

Das Kollektiv besteht aus einzelnen Menschen. Jeder Mensch steht im Wirkgefüge des Kollektivs. Doch ist die Einflußnahme gegenseitig. Auch der Einzelne hat über seine persönliche Befindlichkeit Einfluß auf das Kollektiv. Wenn sich der einzelne Mensch verändert, verändert sich auch das gesamte Kollektiv. Dieser Effekt ist unausweichlich, wenn auch zunächst nicht merklich und nicht nachweisbar. Das ändert sich, wenn viele Menschen ihre Einstellungen und ihre seelische Befindlichkeit ändern. Denn dann werden die Auswirkungen im Kollektiv, der Gesellschaft oder, auf der nächst höheren Ebene, der Menschheit als Ganzes sichtbar.

Diesen Effekt gibt es im Positiven wie auch im Negativen. Jeder Mensch hat also Wirkung und Verantwortung, ob er das nun weiß oder nicht.

Wenn jemand im ganz persönlichen Bereich Hochachtung vor seiner Partnerin oder seinem Partner gewinnt, verändert sich auch die Befindlichkeit des Kollektivs. Da es zwischen Kollektiv und Individuum einen Feedback-Loop gibt, wirkt die positive Entwicklung im Kollektiv, und sei sie anfangs noch so unmerklich, auf die persönliche Ebene zurück und erleichtert es dem Einzelnen, die Hochachtung dem anderen Geschlecht gegenüber in der eigenen Seele weiter auszubauen und vice versa.

Der Blick auf die kollektiven Vorgänge oder besser, die Erkenntnis, daß wir hier vor einem kollektiven Phänomen stehen, daß also die meisten Menschen in unserer Gesellschaft in ganz ähnlicher Weise und Intensität von den Vorgängen, in diesem Fall von der Mißachtung des anderen Geschlechts, berührt sind und auch darunter leiden, bringt eine Entlastung auf der persönlichen Ebene. Denn plötzlich versteht man, daß es den anderen auch nicht besser geht, daß die Ursachen oft in der kollektiven Vergangenheit liegen, daß niemand persönlich Schuld hat an der Situation und daß es jeder gerne anders und besser haben würde.

Dann kann man das Urteilen und die Schuldzuweisungen auf persönlicher und kollektiver Ebene aufgeben. Dadurch sind nicht nur die Eltern, sondern auch alle anderen in der Gesellschaft entschuldet und damit auf wundersame Weise auch man selbst. Das führt regelmäßig zu einer Erleichterung und Entspannung. Plötzlich empfindet man mehr Zugehörigkeit. Verbunden damit ist ein Gefühl von Verantwortung. Das eigenen Tun, die eigene innere Einstellung zählt plötzlich und strahlt auf andere aus.

Kollektiv und Person fließen zusammen, dürfen sich miteinander und aneinander entwickeln. Alles ist mit allem verbunden.

Lesen Sie dazu mein Buch „Das Prinzip der Einheit. Alles ist mit allem verbunden“

Empfohlene Übung:

Nehmen Sie sich in einer ruhigen Atmosphäre eine Viertelstunde Zeit. Lassen Sie Hochachtung dem anderen Geschlecht gegenüber in Ihr Herz einziehen, egal was in Ihrer Kultur in den letzten 2000 Jahren geschehen sein mag.

Dann investieren Sie eine weitere Viertelstunde und lassen Hochachtung Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin gegenüber in Ihr Herz einziehen, egal was in der Vorgeschichte Ihrer Familien oder Ihrer Nationen geschehen ist, und egal, was in Ihrer Beziehung bisher geschehen sein mag.

Ihr

Karl-Heinz Rauscher
http://www.dr-rauscher.de

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